IRS Anja Leckel

 

Mittwoch, 10.05.2017, 12:15 Uhr, TIM Social Area

  Anja Leckel

Investigating Innovation Ecosystems and Platform Governance

Grundlegende sozialwissenschaftliche und ökonomische Theorien wie die Netzwerktheorie und die „Relational view of the firm“ betonen die Notwendigkeit eine Komplementarität von Ressourcen zu erreichen, indem Allianzen oder Netzwerkpartnerschaften eingegangen werden. Dies führt zu Spannungsfeldern in Bezug auf Identität, Steuerung und Kontrolle (Relationale Soziologie, Harrison White, 1992). Die Notwendigkeit von Kollaboration mit externen Partnern bringt zudem Implikationen für die Ausgestaltung und Steuerung (Governance) der Zusammenarbeit und des Geschäftsmodells mit sich: Prozesse und Produkte/Services sollten so ausgestaltet werden, dass es nicht zu „appropriability“-Problemen kommt, sondern die „relational rent“ unter den Kollaborationspartnern aufgeteilt wird.

Das Open Innovation Paradigma, etabliert von Chesbrough (2003), beschäftigt sich mit der Öffnung des Innovationsprozesses von Organisationen, um Wissen über die Unternehmensgrenzen hinaus zu transferieren, und somit von externem Wissen zu profitieren und eigenes Wissen zweckmäßig zu teilen. Unter dem Oberbegriff Open Innovation wird eine Vielzahl von methodischen Ansätzen diskutiert, die in der Praxis bereits großen Zulauf finden. Allen voran spielen Intermediäre eine entscheidende Rolle dabei Organisationen den Zugang zu Open Innovation Praktiken zu ermöglichen. Als Plattformbetreiber, und oftmals auch in beratender Funktion, verknüpfen sie die Wissen-suchenden Firmen mit potentiellen Lösungsanbietern aus verschiedensten Wissensdomänen. Ein entscheidendes Merkmal dieser plattformbasierten Dienste ist, dass im Zuge der Digitalisierung Innovationsnetzwerke zunehmend virtuell existieren. Dadurch können nicht nur große kognitive Distanzen (Domänen-übergreifendes Wissen) sondern auch große geographische Distanzen zwischen den Organisationen leichter überbrückt werden.

Die Ausgestaltung verschiedener Kooperationsformen, die über Open Innovation Intermediäre hergestellt werden, lassen sich anhand der oben erwähnten Dimensionen beschreiben: Der Grad der Formalisierung (Ausübung von Steuerung und Kontrolle) und die Ausgestaltung verschiedener Facetten von Proximität zwischen den Kooperationspartnern. Dazu zählen insbesondere die geographische, kognitive, und soziale Distanz. Die im Seminar vorgestellte Idee einer Umfrage-basierten Studie beschäftigt sich mit der Herleitung von Hypothesen zur Beziehung zwischen Formalisierung und Proximität auf Open Innovation Plattformen und deren Bedeutung für Exploration und Exploitation im Innovationsprozess. Da die Studie sich in der Anfangsphase befindet, liegt das Ziel des Seminars in der Diskussion der Forschungsfrage, des theoretischen Ansatzes und der methodischen Ausgestaltung der Studie.

Anja Leckel