Open Innovation und individuelle Wissensabsorption : eine empirische Analyse individueller Präferenzen bei der Integration externen Wissens

Aachen / Publikationsserver der RWTH Aachen University (2013, 2014) [Doktorarbeit]

Seite(n): XI, 244 S. : Ill., graph. Darst.

Kurzfassung

Die Öffnung von Innovationsprozessen wird derzeit in Wissenschaft und Praxis viel diskutiert. Viele Unternehmen kämpfen jedoch mit Problemen bei der Einführung und dem Management von Open Innovation. In der Innovationsmanagement-Literatur finden sich zahlreiche Hinweise darauf, dass externes Wissens bereits aufgrund seiner Herkunft benachteiligt wird. Um die Erfolgsaussichten der Integration externen Wissens besser einschätzen zu können, muss geklärt werden, ob im Innovationsprozess Unterschiede zwischen den Ausganssituationen für internes und externes Wissen bestehen. Die zentralen Fragen der Arbeit waren deswegen: (a) Bevorzugen Mitglieder einer Organisation tendenziell internes oder externes Wissen? (b) Von welchen Faktoren werden diese Präferenzen ggf. beeinflusst? Aus den theoretischen Grundlagen zum Intergroup-Bias und dem Motivation-Opportunity-Ability-Framework sowie auf Basis der Erkenntnisse einer qualitati-ven Vorstudie wurden Hypothesen über das Bestehen von Präferenzen für internes oder externes Wissen und mögliche Einflussfaktoren auf diese Präferenzen abgeleitet, die in einer großzahligen Untersuchung in einem Unternehmenssetting überprüft wurden (n = 3755). Die Untersuchung erfolgte auf zwei Messebenen: einerseits auf der Ebene der allgemeinen Wissensaufnahme und nutzung (Messebene 1), auf der die Präferenzen über einen Online-Fragebogen untersucht wurden, andererseits auf der Ebene der Bewertung von bisher unbekanntem Wissen (Messebene 2), auf welcher experimentell ermittelt wurde, ob bereits beim ersten Kontakt mit einer Idee Präferenzen für internes oder externes Wissen bestanden. Die Untersuchung auf zwei Messebenen erfolgte, um die Präferenzen sowohl im Kontext des täglichen Arbeitsalltags als auch isoliert untersuchen zu können. In der Untersuchung konnte festgestellt werden, dass sich wesentliche Unter-schiede der Präferenzen zwischen den Messebenen ergaben. Bei der tatsächli-chen Aufnahme und Nutzung von Wissen wurde internes Wissen präferiert, während bei der Bewertung von Ideen keine Präferenzen aufgrund der Herkunft bestanden. Es konnten darüber hinaus verschiedene Einflussfaktoren auf die Präferenzen identifiziert werden. Zwei Einflussfaktoren, die in entgegengesetzter Richtung wirkten, waren der wahrgenommene Wettbewerb und die Identifikation mit dem Unternehmen. Die Dauer der Gruppenzugehörigkeit sowie Fähigkeiten und verschiedene Motive wirkten sich ebenfalls auf die Präferenzen aus. Die Effekte der Einflussfaktoren waren in den untersuchten Kontexten teilweise verschieden. Zentrale Implikationen der Arbeit sind:1. Neben den in der Literatur oft erwähnten Präferenzen für internes Wissen wurden auch Präferenzen für externes Wissen festgestellt. Dieses Phänomen ist bislang kaum erforscht. 2. Die Präferenzen und die Einflussfaktoren unterschieden sich zwischen den Kontexten: Auf die Wissensherkunft zurückgehende Verzerrungseffekte waren etwa bei der Wissensbewertung noch wenig ausgeprägt, jedoch bei der tatsächlichen Nutzung feststellbar. Solche Effekte, die den späteren Innovationsprozess beeinflussen können, scheinen erst im Laufe des Prozesses zu entstehen.3. Einige der untersuchten Einflussfaktoren wirkten sich nicht nur auf die Wissenspräferenzen aus, sondern können den Innovationsprozess auch darüber hinaus wesentlich beeinflussen. Während beispielsweise der wahrgenommene Wettbewerb Präferenzen für externes Wissen fördern kann, ist er gleichzeitig eine mögliche Quelle interner Konflikte. Aus den identifizierten Faktoren ergaben sich auch zahlreiche Ansatzpunkte für Maßnahmen, mit deren Hilfe Unternehmen Wissenspräferenzen beeinflussen und somit die Integration externen Wissens verbessern können. Dies kann wiederum dazu beitragen, dass Unternehmen die Potenziale von Open Innovation besser ausschöpfen können und die Risiken bei der Öffnung von Innovationsprozessen reduziert werden.

Autorinnen und Autoren

Autorinnen und Autoren

Gruel, Wolfgang

Gutachterinnen und Gutachter

Piller, Frank Thomas

Identifikationsnummern

  • URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-48731
  • REPORT NUMBER: RWTH-CONV-144068