Implizites Wissen für die Beschaffung internetbasierter aufgabenspezifischer Informationen

Aachen / Publikationsserver der RWTH Aachen University (2007, 2008) [Doktorarbeit]

Seite(n): XIV, 271 S. : graph. Darst., Kt.

Kurzfassung

Unternehmensumfelder sind vor allem aufgrund von Globalisierungstendenzen und schneller voranschreitendem technischen Fortschritt zunehmend dynamisch und komplex und werden als turbulent bezeichnet. Durch diese Turbulenz geht für Unternehmen Unsicherheit von den Umfeldern aus, die es zu reduzieren gilt. Insbesondere die Kenntnis des aufgabenspezifischen Umfelds, bestehend aus Kunden, Lieferanten und Wettbewerbern, mit denen ein Unternehmen auf dem Markt agiert, ist bedeutend für Unternehmen. Kenntnisse bzw. Informationen über das Aufgabenumfeld vermitteln Sicherheit und ermöglichen eine schnelle Anpassung an veränderte Umfeldbedingungen. Aus der Veränderlichkeit des Umfelds resultiert, dass Informationen aktuell und für ein Unternehmen jederzeit zugänglich sein müssen. Eine potenzielle Informationsquelle, die diese Kriterien erfüllt, stellt das Internet, insbesondere das WWW, dar. Das Internet hat eine stetig zunehmende Bedeutung für die Beschaffung von Informationen und bietet vielfältige Angebote für Informationsbedürfnisse unterschiedlicher Art. Das Problem der Informationsbeschaffung im WWW besteht allerdings darin, aus der unüberschaubaren Flut an Informationen diejenigen herauszufiltern, die die unternehmensspezifischen Informationsbedürfnisse befriedigen können. Die am meisten genutzte Möglichkeit der Informationsbeschaffung und -filterung stellen Suchdienste, vor allem Suchmaschinen, dar. Suchmaschinen arbeiten in der Regel stichwortbasiert. Das bedeutet, dass das Informationsbedürfnis durch den Nutzer in ein oder mehrere Stichwort(e) transformiert wird, nach dem/denen die Suchmaschine sucht. Der Nutzer ist aber oftmals nicht in der Lage, die Suchanfrage derart zu formulieren, dass das Verständnis des Nutzers bzgl. der Suchanfrage mit dem der Suchmaschine übereinstimmt. Daraus können zwei wesentliche Probleme resultieren: Die Suchmaschine liefert entweder unüberschaubar lange Ergebnislisten und/oder sie ignoriert potenziell relevante Informationen, wenn der Nutzer nicht genau die Suchanfrage eingibt, die der Autor der Information verwendet hat. Der Informationssuchende scheitert in der Regel daran, das „Gemeinte“ seines Informationsbedürfnisses in eine Suchanfrage zu transformieren. Das Informationsbedürfnis impliziert häufig Hintergrundwissen, das nicht ausgedrückt werden kann oder wird. Die Berücksichtigung impliziten Wissens des Informationssuchenden bei der internetbasierten Suche verspricht, die Informationsbeschaffung effektiver zu gestalten, da nicht nach einzelnen Schlüsselbegriffen gesucht wird, sondern spezifische Wissenszusammenhänge in die Suche einbezogen werden. Die Entwicklung solcher Information-Retrieval-Systeme gewinnt vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Informationsflut im WWW seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung. Allerdings wird bei der Entwicklung solcher Systeme in der Regel nicht berücksichtigt, dass subjektive bzw. im Fall der vorliegenden Arbeit unternehmensspezifische Wissenshintergründe größtenteils auf Erfahrungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten beruhen und aus diesen zusammengesetzt sind. Der Einbezug solcher Wissenszusammenhänge setzt voraus, dass das Wissen systematisch aufgedeckt werden muss, bevor es für softwarebasierte Anwendungen eingesetzt werden kann. Bisherige Ansätze berücksichtigen nicht, dass sich implizite Wissenselemente zum Teil dem menschlichen Bewusstsein entziehen und nicht ohne Probleme freigelegt werden können. Die vorliegende Arbeit versucht, diese Lücke zu schließen, indem auf der Basis gedächtnistheoretischer Überlegungen Methoden untersucht werden, die sich eignen, implizite Wissenszusammenhänge aufzudecken. Die methodisch freigelegten Wissenszusammenhänge können bei der internetbasierten Informationssuche eingesetzt werden. Es werden vor allem kognitionspsychologische Methoden betrachtet, da sie auf die Spezifika schwer zugänglicher Wissenskonstruktionen ausgerichtet sind. Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, einen Beitrag zur effektiven und effizienten internetbasierten Beschaffung aufgabenspezifischer Informationen zu leisten, indem implizites Wissen systematisch und methodisch geleitet aufgedeckt und in Information-Retrieval-Systemen genutzt wird. Dabei sollen Methoden nicht nur aufgezeigt, sondern insbesondere auf ihre „Güte“ für die Freilegung impliziten Wissens geprüft werden.

Autorinnen und Autoren

Autorinnen und Autoren

Franzen, Dina Katharina

Gutachterinnen und Gutachter

Schröder, Hans-Horst

Identifikationsnummern

  • URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-25949
  • REPORT NUMBER: RWTH-CONV-145384