Teamkomposition und ihr Einfluss auf den Erfolg von Gründerteams

  • Team compsition and its influence on the success of venture teams

Schmelter, Christiane; Brettel, Malte (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2011)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2010

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit untersucht die Beziehung der Komposition unternehmerischer Persönlichkeiten in einem Team und seinem Gründungserfolg. Drei Teilaspekte werden beantwortet: (1) Haben unternehmerische Persönlichkeitsmerkmale, die auf individueller Ebene erfolgsrelevant sind, auch in einem Gründerteam Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg? (2) Ist eine homogene oder eine heterogene Verteilung der Ausprägung unternehmerischer Persönlichkeitsmerkmale vorteilhafter für ein Gründerteam? (3) Wird der angenommene positive Effekt des Zusammenspiels individueller gründungsspezifischer Eigenschaften auf den Teamerfolg durch die Komposition der Ausprägungen bestimmter teamarbeitsbezogener Merkmale moderiert? Die Entrepreneurship-Literatur behandelt die Frage der idealen Teamzusammensetzung bislang weitestgehend auf eher deskriptiver Ebene und betrachtet vor allem Merkmale wie Alter, Geschlecht oder fachlichen Hintergrund der Teammitglieder. Neuere Studien sehen aufgrund inkonsistenter Ergebnisse jedoch die Notwendigkeit, die Betrachtungsebene zu verlagern und Charaktereigenschaften zu analysieren, um ein einheitliches Verständnis für den Zusammenhang zwischen Teamkomposition und Teamerfolg zu erlangen. Die Grundannahme der Arbeit begründet sich in der Action Theory. Vor diesem Hintergrund haben aktuelle Metaanalysen die Persönlichkeitsbetrachtung des Gründers wieder aufgenommen, nachdem die wissenschaftliche Diskussion um den Traits, den Behavior sowie den Environmental Approach wegen inkonsistenter Ergebnisse dazu geführt hatte, diesen Forschungsschwerpunkt ruhen zu lassen. Die jüngsten Analysen führen die Kernelemente dieser Ansätze im Character Approach zusammen, der so eine neue Sichtweise auf die Materie zulässt. Diesem Ansatz folgt diese Arbeit. Im Sinne der Kongruenztheorie und des davon abgeleiteten „Categorization-Elaboration Models“ wird zwischen gründungs- und teamarbeitsspezifischen Persönlichkeitsmerkmalen unterschieden. Auf der Basis eines Input-Output-Modells werden zwei Leithypothesen abgeleitet, um die Forschungsfragen zu beantworten. Die erste bezieht sich auf den direkten Zusammenhang zwischen der unternehmerischen Merkmalskomposition im Gründerteam und dem Teamerfolg. Die zweite Hypothese nimmt Bezug auf den indirekten Effekt teamarbeitsbezogener Eigenschaften. Auf der Basis einer extensiven Literaturanalyse und Experteninterviews werden sieben Gründermerkmale (Leistungsstreben, internale Kontrollüberzeugung, Selbstwirksamkeit, berufliche Passion, Proaktivität, Lernorientierung, Metakognitivität) sowie sechs teamarbeitsbezogene Eigenschaften identifiziert (Offene Kommunikativität, Kooperationsbereitschaft, Empathie, Durchsetzungswille, Führungswille, Geselligkeit), die in die Analyse eingehen. Im Rahmen eines Planspiels werden die Daten von 119 Teams in 20 simulierten Märkten erhoben. Als Analysemethodik wurde das varianzbasierte PLS-Verfahren ausgewählt. Es kann nachgewiesen werden, dass mit der Höhe des durchschnittlichen Eigenschaftswerts bei gleichzeitig niedriger Varianz der individuellen Ausprägungen von Leistungsstreben, internaler Kontrollüberzeugung und Lernorientierung der unternehmerische Teamerfolg signifikant steigt. Das Bestimmtheitsmaß R² liegt dabei bei knapp 30%, was im Forschungskontext als hoch bewertet werden kann. Die Analyse der Hypothesen zu Selbstwirksamkeit, berufliche Passion, Proaktivität und metakognitive Aktivität führt zur Verwerfung der Annahmen. Die Diskussion zu methodischen und inhaltlichen Aspekten zeigt allerdings, dass grundsätzlich signifikante Effekte vorliegen könnten, die eventuell durch hier nicht gemessene Einflussfaktoren überlagert werden. Die Ergebnisse dürfen deshalb so gedeutet werden, dass die aus der Theorie entwickelten Annahmen berechtigt sind. Es ist anzunehmen, dass Untersuchungen in der Feldforschung zu positiven Ergebnissen kommen. Die Analyse der indirekten Effekte zeigt, dass alle betrachteten teamarbeitsspezifischen Merkmale grundsätzlich eine moderierende Wirkung haben. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass die Merkmale und die jeweiligen Zusammenhänge differenziert zu betrachten sind. Besonders stechen die moderierenden Wirkungen in Bezug auf die signifikanten Beziehungen Leistungsstreben – Erfolg und Lernorientierung – Erfolg hervor, da diese von nahezu allen teamarbeitsbezogenen Eigenschaften moderiert werden. Überraschend ist, dass die Wirkung entgegengesetzt verläuft. Der inhaltliche Interpretationsspielraum zur Erklärung der Ergebnisse ist groß und aufgrund der explorativen Vorgehensweise teilweise spekulativ. Zusammengefasst fallen jedoch insbesondere zwei Punkte ins Gewicht: (1) die Phasenabhängigkeit und (2) der Einfluss von Teamrollen.

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