Managing disruptive technologies and innovation

van Bracht, Ruth; Piller, Frank Thomas (Thesis advisor); Kleer, Robin (Thesis advisor)

Aachen (2019, 2020)
Doktorarbeit

Dissertation, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, 2019

Kurzfassung

In den letzten Jahrzehnten haben digitale Technologien kontinuierlich an Bedeutung und Relevanz gewonnen, was sich in den Phänomenen der "Digitalisierung", "Industrie 4.0" oder der "Vierten industriellen Revolution" widerspiegelt. Diesen Technologien wird vorhergesagt, viele Branchen maßgeblich zu verändern, sodass Organisationen einem zunehmenden Druck zu handeln ausgesetzt sind. Eine der Industrien, die hiervon stark betroffen sein wird, ist die Fertigungsindustrie. Hier stellt sich die Frage, wie physische und digitale Welten zu verknüpfen sind. Additive Fertigung, auf Englisch „Additive Manufacturing“ (AM), ist eine der ausgereiftesten Technologien, welche diese Branche zunehmend unter Druck setzt. Auf der einen Seite bringt diese Technologie große Chancen mit sich, birgt jedoch gleichzeitig große Herausforderungen. So versuchen viele Unternehmen derzeitig, AM für ihre Produktionsprozesse zu adoptieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Gleichzeitig steht die Forschung vor neuen Herausforderungen: bisherige Forschung konzentriert sich überwiegend auf Post-hoc-Analysen von disruptiven Technologien. Aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung benötigen Unternehmen aber zunehmend Unterstützung bei der Ex-ante-Umsetzung dieser Technologien. Darüber hinaus mangelt es in der Literatur an differenzierten Unterscheidungen zwischen den verschiedenen Arten disruptiver Innovationen. Vor allem mangelt es an Forschungsarbeit auf der Ebene der Mitarbeiter, obwohl bekannt ist, dass organisatorische Schwierigkeiten vermehrt vom individuellen Verhalten Einzelner abhängen. Ziel dieser Dissertation ist es daher, die bestehende Forschung zu erweitern, um ein ganzheitliches Verständnis vom Ökosystem und den organisationalen und individuellen Prozessen, die während der Technologieadoption stattfinden, zu gewinnen. Darüber hinaus leistet diese Arbeit einen Beitrag zur bestehenden Forschung, indem sie eine differenziertere Sicht auf disruptive technologische Innovationen aus einer Ex-ante-Perspektive ermöglicht. Es wird eine Kombination verschiedener Forschungsmethoden eingesetzt, um sowohl qualitative als auch quantitative Daten zu analysieren und die skizzierten Forschungsfragen innerhalb von drei individuellen Studien zu bearbeiten. Das erste Papier untersucht die Zukunft von AM mithilfe einer „Real-Time-Delphi“-Befragungsmethode, um auf Basis dieser Zukunftsszenarien abzuleiten. Experten werden darin gebeten, Zukunftsprojektionen hinsichtlich politischer, wirtschaftlicher, sozio-kultureller und technologischer Aspekte zu bewerten, um ein Verständnis des zukünftigen Ökosystems zu gewinnen. Das Ergebnis ist ein sogenanntes „wahrscheinlichstes“ Zukunftsszenario, welches sich über die gesamte Wertschöpfungskette erstreckt. Ein Kernergebnis ist, dass in den Köpfen von Organisationen und Menschen, aus denen diese sich zusammensetzen, immer noch massive Unsicherheit besteht. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Unternehmen trotz dieser Unsicherheit handeln und frühzeitig mit der Einführung derartiger Technologien beginnen sollten. Da diese Aufgabe mit einer Vielzahl an Herausforderungen verbunden ist, ist es notwendig, die Adoptionsbemühungen in Organisationen weiter zu analysieren. Das zweite Papier geht auf diese Notwendigkeit ein, indem es die Organisationen und ihr „Sensemaking“, also den Prozess des „Verständnis-Bildens“, bei der Einführung neuer Technologien beleuchtet. Mit Blick auf die organisationale Perspektive wird in diesem Papier in mehreren Fallstudien untersucht, wie Organisationen an das Thema AM herangehen. Hier zeigt sich, dass die Wahrnehmung einer Bedrohung oder Chance Adoptionsprozesse inhärent beeinflusst. Es werden drei Muster des „Sensemakings“ abgeleitet, die zu einer kontinuierlichen Adoption führen. Außerdem wird deutlich, dass das „Sensemaking“ der Mitarbeiter ein entscheidender Faktor bei der Einführung von neuen Technologien ist. Manager müssen ihre Mitarbeiter kontinuierlich beobachten und unterstützen, wenn sie die Adoption einer potenziell disruptiven Technologie planen. Das dritte Papier setzt die Analyse des zweiten Papiers fort und untersucht einzelne Mitarbeiter in Unternehmen, die vom Aufkommen und der Entwicklung von AM betroffen sind. Es werden angestellte Ingenieure befragt, die mit dem technologischen Wandel konfrontiert sind. Im Detail werden diese nach ihrer Bedrohungs- und Chancenwahrnehmung sowie ihren Handlungsintentionen befragt, die sie zugunsten von AM ausbilden, um Antworten auf verschiedene Hypothesen in diesem Zusammenhang zu erhalten. Ergebnis ist, dass eine Wahrnehmung als Bedrohung oder Chance die Handlungsintentionen von Individuen beeinflusst, welche wiederum direkt mit dem individuellen Verhalten und Adoptionsentscheidungen zusammenhängen. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass der kognitive Stil von Individuen diese Haupteffekte in Form einer Moderation beeinflusst. Dies deutet darauf hin, dass die Teamzusammensetzung entsprechend der verfolgten Adoptionsabsicht angepasst werden sollte. Insgesamt tragen die Ergebnisse der Forschungsarbeiten zu einem besseren Verständnis der Adoption von disruptiven Technologien in etablierten Organisationen bei, indem sie eine ganzheitliche Sicht auf die zugrundeliegenden Prozesse auf Ökosystem-, Organisations- und Individualebene ermöglichen.

Identifikationsnummern

Downloads